Dr. Krudewig Gedächtnispokal


Der Dr.-Krudewig-Gedächtnispokal – eine fast 100-jährige Tradition


Ein Pokal, der Generationen verbindet

Der Dr.-Krudewig-Gedächtnispokal gehört zu den traditionsreichsten Trophäen des Bürgerschützenvereins Cloppenburg. Jahr für Jahr verbindet das nach ihm benannte Gedächtnisschießen sportlichen Wettbewerb mit der Erinnerung an einen Mann, der das Cloppenburger Schützenwesen über viele Jahre prägte: Dr. Bernhard Krudewig.

Dabei ist der Pokal wesentlich älter als das eigentliche Gedächtnisschießen. Bereits 1927 wurde er von Dr. Krudewig gestiftet. Nach seinem Tod im Jahr 1960 entstand daraus das Dr.-Krudewig-Gedächtnisschießen, das 1961 erstmals ausgetragen wurde.

Damit steht ein besonderes Jubiläum bevor: 2027 feiert der Dr.-Krudewig-Pokal seinen 100. Geburtstag.

Fast ein Jahrhundert Pokalgeschichte und mehr als sechs Jahrzehnte Gedächtnisschießen machen ihn heute zu einem besonderen Stück Vereinsgeschichte.

Wer war Dr. Bernhard Krudewig?

Dr. Bernhard Krudewig wurde am 8. August 1880 in Enzen im Kreis Euskirchen geboren. Er war das fünfte von 18 Kindern des Landwirts Heinrich Krudewig und seiner Frau Anna Katharina Maria, geborene Pauly.

Nach seiner Schulzeit studierte Bernhard Krudewig von 1898 bis 1902 Tiermedizin an den Tierärztlichen Hochschulen in Hannover und Berlin. Anschließend führte ihn sein Promotionsstudium in die Schweiz nach Bern. Die Anerkennung seines dort erworbenen Doktortitels der Veterinärmedizin erfolgte 1912.

Seine berufliche Laufbahn begann Krudewig 1903 als praktischer Tierarzt in Friesoythe. 1908 zog er nach Cloppenburg, nachdem er zum Kreistierarzt im Amt Cloppenburg berufen worden war. Gemeinsam mit seinem Studienfreund Dr. Andreas Rust führte er außerdem eine tierärztliche Praxis.

Im Jahr 1914 entstand das Haus an der Bahnhofstraße 20, das Krudewig über viele Jahre als Wohnhaus und Amtssitz diente.

Cloppenburg wurde für ihn zur Heimat.

Vom Kreistierarzt zum Rittmeister

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Dr. Bernhard Krudewig im August 1914 zum Militärdienst eingezogen. Tierärzte spielten angesichts der großen Bedeutung von Pferden für die damaligen Streitkräfte eine wichtige Rolle.

Krudewig war bis zum Ende des Krieges im Rang eines Rittmeisters an der Westfront eingesetzt und wurde während dieser Zeit mit mehreren Orden ausgezeichnet.

Nach seiner Rückkehr setzte er seine berufliche Tätigkeit in Cloppenburg fort. Auch außerhalb seines Berufes war er fest im gesellschaftlichen Leben der Stadt verwurzelt. Zu seinen Leidenschaften gehörten unter anderem die Jagd und das Skatspiel. Noch im hohen Alter nahm er an Jagden teil und engagierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg für den Wiederaufbau des durch den Krieg stark dezimierten Wildbestandes.

Eine besondere Bedeutung hatte für ihn jedoch auch das Cloppenburger Schützenwesen.

Eine prägende Persönlichkeit des Bürgerschützenvereins

Dr. Bernhard Krudewig gehörte über viele Jahre zu den prägenden Persönlichkeiten des Bürgerschützenvereins Cloppenburg. Er wirkte als Schützenhauptmann und später als Ehrenpräsident des Vereins.

Besonders am Herzen lag ihm der Schießsport. Die Berichterstattung über das erste Gedächtnisschießen erinnerte 1961 daran, dass Krudewig bis ins hohe Alter ein begeisterter Schützenbruder gewesen war und den Schießsport nachhaltig gefördert hatte. Auch zum Bau des damaligen Schießstandes am Schützenhof hatte er wesentlich beigetragen.

Ein bis heute sichtbares Zeugnis seiner Verbundenheit mit dem Verein entstand bereits in den 1920er-Jahren.

1927 stiftet Dr. Krudewig den Wanderpokal

Im Jahr 1927 stiftete Dr. Bernhard Krudewig als damaliger Hauptmann des Bürgerschützenvereins einen Wanderpokal.

Diese Herkunft ist auch durch die zeitgenössische Berichterstattung eindeutig belegt. Noch 1966 erinnerte die Nordwest-Zeitung daran, dass der Pokal von Dr. Krudewig im Jahr 1927 als damaligem Hauptmann gestiftet worden war.

Damals konnte noch niemand ahnen, welche lange Geschichte diese Trophäe einmal haben würde.

Denn der Pokal überdauerte nicht nur seinen Stifter. Jahrzehnte später wurde er zum Mittelpunkt eines Wettbewerbs, der ausdrücklich dem Andenken Dr. Krudewigs gewidmet wurde.

1960 stirbt Dr. Bernhard Krudewig

Am 1. Mai 1960 starb Dr. Bernhard Krudewig im Alter von fast 80 Jahren. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem St.-Andreas-Friedhof in Cloppenburg.

In einem damaligen Nachruf wurde sein klares, geradliniges und aufrechtes Wesen hervorgehoben. In der Bevölkerung, insbesondere in der Landwirtschaft, habe er großes Ansehen und Vertrauen genossen.

Auch im Bürgerschützenverein blieb die Erinnerung an den langjährigen Hauptmann und Ehrenpräsidenten lebendig.

Und dabei erhielt der Pokal, den Krudewig selbst mehr als drei Jahrzehnte zuvor gestiftet hatte, eine neue Bedeutung.

1961 beginnt das Dr.-Krudewig-Gedächtnisschießen

Bereits im Jahr nach seinem Tod wurde erstmals das Dr.-Krudewig-Gedächtnisschießen ausgetragen.

Am Sonntag, dem 20. August 1961, kamen die Cloppenburger Schützen zusammen, um den Wanderpokal künftig im Andenken an ihren verstorbenen Ehrenpräsidenten und langjährigen Schützenhauptmann auszuschießen.

Die Resonanz war groß: 37 Schützen beteiligten sich am ersten Wettbewerb. 23 von ihnen trafen auf der Zehner-Ringscheibe ins Schwarze.

Die Aufgabe war ebenso einfach wie anspruchsvoll: Jeder Schütze durfte mit dem Kleinkalibergewehr drei Schüsse abgeben. Der beste Treffer wurde gewertet.

Da zahlreiche Teilnehmer die Zehn getroffen hatten, musste äußerst genau gemessen werden. Die damalige Berichterstattung sprach von regelrechter „Millimeterarbeit“.

Leo Rhode wird erster Sieger

Den entscheidenden Treffer setzte Leo Rhode.

Sein Schuss lag am tiefsten im Zentrum. Damit wurde er zum ersten Gewinner des Dr.-Krudewig-Gedächtnisschießens und zugleich zum ersten Schützen, dessen Name für diesen neuen Wettbewerb in den Pokal eingraviert wurde.

Überreicht wurde die Trophäe vom damaligen Vereinspräsidenten und Bürgermeister Hermann Witte. Bei der Übergabe erinnerte Witte noch einmal an das Leben und die Verdienste Dr. Krudewigs. Die damalige Zeitung bezeichnete den von Krudewig gestifteten Pokal bereits als eine der wertvollsten Trophäen des Vereins.

Damit begann eine Tradition, die bis in die Gegenwart reicht.

Drei Schüsse für einen Platz auf dem Pokal

Wie das Gedächtnisschießen in seinen Anfangsjahren ablief, ist durch einen Bericht aus dem Jahr 1966 gut dokumentiert.

Jeder Schütze durfte drei Schüsse mit dem Kleinkalibergewehr abgeben. Sieger wurde derjenige, der die beste Zehn schoss. Neben dem Dr.-Krudewig-Gedächtnisorden erhielt der Gewinner eine weitere besondere Auszeichnung: Sein Name wurde auf dem Wanderpokal eingraviert.

Damit wurde aus jedem Sieg zugleich ein kleines Stück Vereinsgeschichte.

Die ersten Pokalgewinner

Nach Leo Rhode folgten schnell weitere Namen auf der Trophäe.

1962 gewann Franz Nienaber, 1963 Lothar Joop, 1964 Ferdinand Steinkamp und 1965 Manfred Steinkamp.Diese ersten fünf Gewinner wurden bereits 1966 in der Presse dokumentiert.

Eine besonders schöne Geschichte ereignete sich 1965. Manfred Steinkamp war aus Afrika zu einem Urlaub nach Cloppenburg gekommen, nahm am Gedächtnisschießen teil und gewann auf Anhieb den Pokal.

Das Besondere daran: Im Jahr zuvor hatte bereits sein Vater Ferdinand Steinkamp gewonnen. Der Pokal blieb damit ein weiteres Jahr in derselben Familie.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte kamen immer neue Namen hinzu. Schützen und Schützinnen verschiedener Generationen konnten sich auf der historischen Trophäe verewigen. So wurde der Pokal mit seinen Gravuren selbst zu einer kleinen Chronik des sportlichen Lebens im Bürgerschützenverein.

Seit 1980 überreicht Ingrid Krudewig den Pokal

Eine besondere Tradition kam 1980 hinzu.

Seit diesem Jahr überreicht Ingrid Krudewig, eine Enkelin von Dr. Bernhard Krudewig, den Gedächtnispokal persönlich an den jeweiligen Sieger.

Damit besteht eine unmittelbare Verbindung zwischen der Familie des Stifters und dem heutigen Vereinsleben. Der Pokal erinnert nicht nur durch seinen Namen und seine fast hundertjährige Geschichte an Bernhard Krudewig – auch seine Familie trägt diese Erinnerung seit Jahrzehnten mit.

Die persönliche Pokalübergabe durch Ingrid Krudewig ist damit längst selbst zu einem Stück Tradition des Dr.-Krudewig-Gedächtnisschießens geworden.

Lücken und Rätsel auf dem Pokal

Wer den Dr.-Krudewig-Pokal genauer betrachtet, entdeckt neben den vielen Namen seiner Gewinner auch einige Stellen, die Fragen aufwerfen. Nicht jede Gravur folgt dem sonst üblichen Schema aus Jahreszahl und Name des Siegers.

So findet sich bei Georg Schlömer die ungewöhnliche Jahresangabe „1972/73“. Warum hier zwei Jahre gemeinsam angegeben wurden, ist bislang nicht bekannt.

Noch auffälliger ist das Jahr 1988: An der entsprechenden Stelle wurde offenbar bewusst Platz gelassen, doch weder eine Jahreszahl noch ein Name wurden eingraviert. Ob das Gedächtnisschießen in diesem Jahr ausfiel, ob eine Gravur unterblieb oder ein anderer Grund dahintersteckt, lässt sich derzeit nicht sicher sagen.

Auch 2016 gibt der Pokal ein kleines Rätsel auf. Die Jahreszahl „2016“ ist vorhanden, ein Name fehlt jedoch. Wurde in diesem Jahr tatsächlich kein Sieger ermittelt? Oder wurde lediglich vergessen, dessen Namen nachträglich eingravieren zu lassen? Auch diese Frage ist bislang offen.

Andere Lücken lassen sich dagegen erklären. 2020 und 2021 fiel das Dr.-Krudewig-Gedächtnisschießen aufgrund der Corona-Pandemie aus. Nach der Unterbrechung wurde der Wettbewerb 2022 wieder ausgetragen, und Jürgen Deeken konnte sich als Sieger auf dem Pokal verewigen.

In den Jahren 2023, 2024 und 2025 musste das Gedächtnisschießen erneut pausieren. Grund war die Sanierung der Schießanlage in den Ambührener Tannen. Erst 2026 konnte auf der neuen Schießanlage wieder um den historischen Wanderpokal geschossen werden.

Wer kann die offenen Fragen beantworten?

Vielleicht schlummern die Antworten auf die noch ungeklärten Gravuren in alten Unterlagen, privaten Fotoalben – oder ganz einfach in den Erinnerungen unserer Schützenschwestern und Schützenbrüder.

Warum trägt Georg Schlömer die Jahresangabe „1972/73“? Was geschah 1988? Und warum steht bei 2016 zwar die Jahreszahl auf dem Pokal, aber kein Name?

Wer etwas über die Hintergründe weiß, selbst dabei war oder noch Fotos, Ergebnislisten, Zeitungsberichte oder andere Unterlagen zu diesen Jahren besitzt, darf sich gerne beim Bürgerschützenverein Cloppenburg melden.

Denn auch die Lücken auf einem fast 100 Jahre alten Pokal gehören zu seiner Geschichte – und vielleicht können wir sie gemeinsam noch schließen.

2026: Neustart auf der neuen Schießanlage

Am 19. April 2026 war es schließlich so weit: Das Dr.-Krudewig-Gedächtnisschießen konnte wieder stattfinden – und zugleich begann ein neues Kapitel seiner Geschichte.

Erstmals wurde der Wettbewerb auf der neuen Schießanlage des Bürgerschützenvereins Cloppenburg ausgetragen.

Schon am Vortag wurde der historische Dr.-Krudewig-Pokal für seinen großen Auftritt vorbereitet. Schießmeister Hans-Uwe Osterhus-Schlömer brachte ihn gemeinsam mit Mitgliedern des amtierenden Throns und Ingrid Krudewig sorgfältig auf Hochglanz.

Am Wettkampftag wurde in den Disziplin Kleinkaliber-Auflage die beste 10 geschossen. Jeder Schütze hatte 3 Versuche. Am Abend folgte die Siegerehrung.

Den Dr.-Krudewig-Gedächtnispokal des Jahres 2026 gewann Bernard Tegeler.

Damit konnte nach der mehrjährigen Unterbrechung wieder ein neuer Name in die lange Geschichte des Pokals aufgenommen werden.

2027: Der Dr.-Krudewig-Pokal wird 100 Jahre alt

Das kommende Jahr wird für die Geschichte des Pokals ein ganz besonderes: 1927–2027: Der Dr.-Krudewig-Pokal feiert seinen 100. Geburtstag.

Als Dr. Bernhard Krudewig die Trophäe 1927 stiftete, konnte niemand wissen, dass sie ein Jahrhundert später noch immer zum Vereinsleben gehören würde.

Seitdem hat der Pokal Generationen von Cloppenburger Schützen erlebt.

Das Krudewig-Jubiläums-Gedächtnisschießen findet am 25.04.2027 statt.

Text: Carolin Tegeler

Pokalgewinner



Datenschutzhinweis

Wenn Sie unter 16 Jahre alt sind und Ihre Zustimmung zu freiwilligen Diensten geben möchten, müssen Sie Ihre Erziehungsberechtigten um Erlaubnis bitten.
Wir verwenden Cookies und andere Technologien auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern. Personenbezogene Daten können verarbeitet werden (z. B. IP-Adressen), z. B. für personalisierte Anzeigen und Inhalte oder Anzeigen- und Inhaltsmessung. Weitere Informationen über die Verwendung Ihrer Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies. Sie können Ihre Einwilligung zu ganzen Kategorien geben oder sich weitere Informationen anzeigen lassen und so nur bestimmte Cookies auswählen.

Notwendige Cookies werden immer geladen