Geschichte


Seit 1585 – Die Geschichte des

Bürgerschützenvereins Cloppenburg


Mehr als vier Jahrhunderte Tradition, Gemeinschaft und Wandel

Wer heute den Bürgerschützenverein Cloppenburg erlebt, begegnet einem lebendigen Verein mit Schützenfest, Königsthron, acht Zügen, sowie Schießsport- und Bogensportaktivitäten. Hinter diesem Vereinsleben steht eine Geschichte, die mehr als vier Jahrhunderte zurückreicht.

Seit 1585 begleitet das Schützenwesen die Entwicklung Cloppenburgs. Dabei hat sich seine Aufgabe grundlegend verändert. Aus einer Gemeinschaft, die einst zum Schutz der Stadt und ihrer Grenzen aufgestellt wurde, entwickelte sich über die Jahrhunderte ein moderner Verein, in dessen Mittelpunkt heute Tradition, Gemeinschaft, Sport und ehrenamtliches Engagement stehen.

Die Anfänge der Cloppenburger Schützengilde

Hinweise auf Cloppenburger Schützen reichen zwar bis in das 15. Jahrhundert zurück, als Gründungsjahr der eigentlichen Cloppenburger Schützengilde gilt jedoch 1585. Damals ordnete der Rat der Stadt die Bildung einer Schützengilde an.

Ihre Aufgabe war zunächst eine praktische: Die Bürger sollten zum Schutz der Stadt und ihrer Grenzen beitragen. Die Schützen waren mit Feuerrohr und Seitengewehr ausgerüstet und mussten den Umgang mit ihren Waffen üben. Als Übungsplatz diente das Schützenfeld am Bether Weg.

Schon früh verband sich diese Aufgabe jedoch mit Geselligkeit und Festtradition. Für das Jahr 1615 ist ein dreitägiges Schützenfest überliefert. Zu dieser Zeit zählte die Gilde 68 Schützen.

Mit der Entwicklung staatlicher und militärischer Strukturen verlor die ursprüngliche Schutzfunktion zunehmend an Bedeutung. Geblieben waren das gemeinsame Schießen, die Pflege der Gemeinschaft und vor allem das Schützenfest. Damit begann jener Wandel, der das Cloppenburger Schützenwesen bis heute prägt: Aus einer ursprünglich wehrhaften Bürgergemeinschaft wurde Schritt für Schritt ein gesellschaftlicher und sportlicher Zusammenschluss.

Schützenfest, Königswürde und Königskette

Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelte sich das Schützenwesen weiter. Schießwettbewerbe wurden zunehmend nach festen Regeln durchgeführt. Um 1830 sind beispielsweise bereits organisierte Preisschießen belegt.

Eine wichtige Veränderung brachte das Jahr 1845. Zuvor hatten Cloppenburg und Krapendorf getrennte Schützenfeste gefeiert. Eine neue Fahne trug nun die Bezeichnung „Schützenverein Cloppenburg-Krapendorf“ und dokumentierte damit auch nach außen das Zusammenwachsen.

Zu den wertvollsten Traditionen des Vereins gehört die Königskette. Sie wurde 1864 vom Hotelier Brüning gestiftet. Fortan sollte jeder neue Schützenkönig einen eigenen Königsorden hinzufügen. So entstand über Generationen hinweg ein sichtbares Zeugnis der Vereinsgeschichte.

Auch das Vogelschießen etablierte sich. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde unter anderem auf dem Wewerschen Schützenhof geschossen. Ende des 19. Jahrhunderts kam eine weitere Tradition hinzu: das Kinderschützenfest, das die nächste Generation früh an das Schützenwesen heranführte.

Die Geschichte verlief allerdings keineswegs ohne Unterbrechungen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten, Kriege und gesellschaftliche Veränderungen führten immer wieder dazu, dass Schützenfeste ausfallen mussten oder das Vereinsleben nahezu zum Erliegen kam. Selbst Königskette und Fahne mussten zeitweise verpfändet werden.

1887 gelang jedoch ein bedeutender Neubeginn. Ernst Koopmann und zahlreiche Unterstützer setzten sich für die Wiederbelebung des Schützenwesens ein. Königskette und Fahne konnten ausgelöst werden, und am 5. Juni 1887 wurde wieder Schützenfest gefeiert.

Vom Schützenverein zum Bürger-Schützenverein

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte sich die Entwicklung fort. 1905 erhielt der Verein eine neue Fahne. Bereits ein Jahr später musste der damalige Verein aus versicherungsrechtlichen Gründen aufgelöst werden; noch 1906 wurde jedoch ein neuer Schützenverein gegründet.

Der Erste Weltkrieg und die anschließende Inflation brachten erneut eine lange Unterbrechung. Zwischen 1914 und 1924 fanden keine regulären Schützenfeste statt.

Am 11. Juni 1924 trafen sich Cloppenburger Bürger in der „Walhalla“, um das Schützenwesen neu zu beleben. Der Bürger-Schützenverein Cloppenburg wurde wieder ins Leben gerufen und zählte schon damals 244 Mitglieder. Dr. Heukamp übernahm den Vorsitz, Dr. Krudewig wurde Hauptmann.

In dieser Zeit entwickelte sich auch die bis heute prägende Gliederung des Vereins in Züge. Das Kinderschützenfest wurde wieder fester Bestandteil des Vereinslebens, Schießstände wurden ausgebaut und 1931 entstand ein Jungschützenzug.

Diktatur, Krieg und zwölf Jahre ohne Schützenfest

Mit der nationalsozialistischen Herrschaft wurde auch das Schützenwesen in die politischen und organisatorischen Strukturen des Regimes eingebunden. Die Eigenständigkeit des Vereins wurde eingeschränkt, und die Vereinsarbeit musste sich den Vorgaben der nationalsozialistischen Sport- und Gesellschaftspolitik unterordnen.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges kam das traditionelle Vereins- und Festleben weitgehend zum Erliegen. Der 1939 gekürte Schützenkönig Heinrich Marks blieb deshalb ungewöhnlich lange im Amt: Erst 1950 konnte wieder ein Nachfolger ausgeschossen werden.

1950 – der große Neubeginn

Nach Krieg und Zusammenbruch dauerte es einige Jahre, bis wieder an ein Schützenfest zu denken war. 1950 wurde schließlich zum entscheidenden Jahr des Neubeginns.

Auf Initiative von Bürgermeister Heinrich Winkler kamen Cloppenburger Bürger zusammen, um die alte Tradition wieder aufleben zu lassen. Am 22. Mai 1950 wurde der Bürgerschützenverein in der Walhalla mit zunächst 62 Schützen neu formiert.

Schon am 12. und 13. August 1950 konnte wieder Schützenfest gefeiert werden. Auch das Kinderschützenfest kehrte zurück. Weil nach dem Krieg noch Beschränkungen für Schusswaffen bestanden, behalf man sich zunächst mit Luftgewehren.

In den folgenden Jahren wuchs der Verein wieder. Die Zugstruktur wurde ausgebaut, das sportliche Schießen gewann an Bedeutung und neue Schießanlagen entstanden. 1955 konnte eine neue Anlage eingeweiht werden; im selben Jahr fand erstmals das Stadtpokalschießen statt.

Wachstum, Damenzug und neue Generationen

Mit dem Wachstum Cloppenburgs wuchs auch der Bürgerschützenverein. Neue Züge entstanden und die Vereinsstruktur wurde erweitert.

Eine wichtige Entwicklung begann 1970 mit der Gründung einer Schießgruppe von zunächst neun Frauen. Bereits 1971 marschierten die Frauen erstmals in Uniform mit. Daraus entwickelte sich der heutige Damenzug – ein selbstverständlicher und prägender Bestandteil des Vereins.

Auch die Kinder- und Jugendarbeit wurde immer wichtiger. Damit knüpfte der Verein an die alte Tradition des Kinderschützenfestes an und entwickelte sie zugleich weiter.

Parallel dazu gewann der Schießsport an Bedeutung. Luftgewehr, Kleinkaliber und verschiedene Pistolendisziplinen machten aus dem traditionellen Schützenwesen zunehmend auch einen modernen Sportbetrieb.

Eine neue Heimat in den Ambührener Tannen

Mitte der 1970er-Jahre stand der Verein vor einer großen Herausforderung. 1976 ging das bisherige Schießgelände am Schützenhof verloren. Die Stadt stellte dem BSV daraufhin ein Gelände in den Ambührener Tannen zur Verfügung.

Mit erheblicher Eigenleistung entstand dort eine neue Anlage. Am 6. Januar 1978 wurde der erste Schuss auf dem neuen Luftgewehrstand abgegeben. Am 15. September 1978 konnte schließlich die gesamte Anlage mit 19 Luftgewehr- und zehn Kleinkaliberständen eröffnet werden.

Damit hatte der Verein eine neue sportliche Heimat gefunden, die in den folgenden Jahrzehnten immer wieder erweitert und modernisiert wurde.

Die Investitionen zahlten sich auch sportlich aus. Cloppenburger Schützinnen und Schützen qualifizierten sich für überregionale Meisterschaften und erzielten Erfolge bis hin zur Deutschen Meisterschaft.

400 Jahre Schützentradition

1985 feierte Cloppenburg ein außergewöhnliches Jubiläum: 400 Jahre Cloppenburger Schützengilde. Zu diesem Anlass erschien die große Jubiläumsfestschrift „400 Jahre Cloppenburger Schützengilde 1585–1985“, die bis heute eine wesentliche Grundlage für die Erforschung der Vereinsgeschichte bildet.

Das Jubiläum machte deutlich, dass der Bürgerschützenverein längst mehr war als ein Sportverein. Seine Geschichte ist eng mit der Geschichte der Stadt Cloppenburg verbunden.

Tradition bewahren – und den Verein weiterentwickeln

Auch nach dem großen Jubiläum von 1985 blieb der Verein nicht stehen. Die folgenden Jahrzehnte waren geprägt von der Aufgabe, gewachsene Traditionen zu erhalten und gleichzeitig auf gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren.

Neben dem klassischen Schießsport gewann beispielsweise der Bogensport an Bedeutung. Die verschiedenen Abteilungen und Züge entwickelten eigene Veranstaltungen und Aktivitäten. Gleichzeitig blieben Königsschießen, Schützenfest, Kinder- und Jugendarbeit sowie das gemeinsame Auftreten der Züge die verbindenden Elemente des Gesamtvereins.

Dabei zeigte sich immer wieder, dass ein Verein dieser Größe vom Ehrenamt lebt. Ausbau, Pflege und Modernisierung der Anlagen, Organisation des Schützenfestes, Jugendarbeit und sportlicher Betrieb wären ohne die freiwillige Arbeit zahlreicher Mitglieder nicht möglich.

2011 – das Schützenfest kehrt in die Stadt zurück

Ein besonders wichtiger Schritt in der jüngeren Vereinsgeschichte erfolgte 2011. Nach intensiven Diskussionen und Vorbereitungen zog das Schützenfest in den Stadtpark und damit wieder stärker in die Mitte Cloppenburgs.

Der damalige Hauptmann bezeichnete diese Rückkehr rückblickend als richtige Entscheidung. Die Resonanz des Schützenfestes 2011 habe auch vorherige Zweifler überzeugt. Bei der Delegiertenversammlung desselben Jahres wurde ausdrücklich hervorgehoben, dass das Schützenfest nun wieder mitten in der Stadt gefeiert werde und damit neue öffentliche Aufmerksamkeit erhalten habe.

Damit wurde eine jahrhundertealte Idee in moderner Form wieder sichtbar: Das Schützenfest sollte nicht nur eine Veranstaltung für Vereinsmitglieder sein, sondern ein Fest für Cloppenburg.

Auch das Adlerschießen fand im Stadtpark großen Zuspruch.

Jugend, Sport und Gemeinschaft

Die Unterlagen der jüngeren Vereinsgeschichte zeigen zugleich, wie breit der BSV inzwischen aufgestellt ist. Jugendzeltlager, Kinderscheiben- und Kinderadlerschießen, Familienveranstaltungen und regelmäßiges Training gehören ebenso dazu wie sportliche Wettkämpfe.

Beim „Green Camp 2011“ nahmen beispielsweise 34 Kinder teil. Beim Kinderadlerschießen desselben Jahres waren es 26.

Auch sportlich konnte der BSV zahlreiche Erfolge verzeichnen. 2011 errangen Cloppenburger Schützinnen und Schützen allein bei den Kreismeisterschaften 24 Kreismeistertitel.

In den folgenden Jahren wurde die Jugendarbeit organisatorisch immer wieder angepasst. Gleichzeitig entwickelte sich insbesondere der Bogensport zu einem weiteren wichtigen Standbein des Vereins.

Modernisierung im 21. Jahrhundert

Neben Tradition und Festbetrieb rückte zunehmend die Zukunftsfähigkeit der Vereinsanlagen in den Mittelpunkt. Bereits in den 2010er-Jahren wurden Schießstände modernisiert, Beleuchtung erneuert und Sanierungen vorbereitet.

Dabei musste der Verein immer wieder auch organisatorische und finanzielle Herausforderungen bewältigen. Die Protokolle zeigen jedoch ebenso deutlich die Bereitschaft der Mitglieder, Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen gemeinsam zu tragen.

Einen tiefen Einschnitt brachte die Corona-Pandemie. Das gewohnte Vereins- und Veranstaltungsleben war zeitweise nur eingeschränkt oder gar nicht möglich. Selbst Versammlungen mussten unter besonderen Hygiene- und Abstandsregeln stattfinden.

Nach dieser schwierigen Phase richtete sich der Blick wieder nach vorn.

Das Schützenheim wird fit für die Zukunft

Zu den größten Projekten der jüngeren Vereinsgeschichte gehört die umfassende Modernisierung des Schützenheims in den Ambührener Tannen. Was sich bereits in früheren Jahren durch einzelne Sanierungen angekündigt hatte, entwickelte sich schließlich zu einem umfangreichen Zukunftsprojekt.

In den Jahren 2022 bis 2025 wurde das Vereinsheim grundlegend erneuert und technisch modernisiert. Ein Schwerpunkt lag dabei auf zeitgemäßen Schießsportanlagen einschließlich elektronischer Schießstände.

Wie schon beim Bau der Anlage Jahrzehnte zuvor spielte die Eigenleistung der Vereinsmitglieder eine wichtige Rolle. Damit steht das modernisierte Schützenheim zugleich für eine bemerkenswerte Kontinuität: Generationen von Schützinnen und Schützen haben ihre Vereinsanlage nicht nur genutzt, sondern selbst mit aufgebaut, erhalten und weiterentwickelt.

Mehr als 440 Jahre – und die Geschichte geht weiter

Vom bewaffneten Schutz der Stadt im Jahr 1585 bis zum modernen Vereinsleben unserer Zeit liegt ein weiter Weg.

Die Aufgaben haben sich verändert, ebenso die Gesellschaft und die Stadt Cloppenburg. Geblieben sind jedoch zentrale Gedanken, die sich durch die gesamte Geschichte ziehen: Gemeinschaft, Verantwortung, sportlicher Wettbewerb, ehrenamtliches Engagement und die Pflege der Tradition.

Heute verbindet der Bürgerschützenverein historische Bräuche mit einem vielseitigen Vereinsleben. Die Züge und Abteilungen, der Schieß- und Bogensport, die Jugend, das Schützenfest und vor allem die vielen ehrenamtlich engagierten Mitglieder tragen dazu bei, dass eine Tradition, die vor mehr als vier Jahrhunderten begann, lebendig bleibt.

Dabei bedeutet Tradition für den Bürgerschützenverein Cloppenburg nicht, stehen zu bleiben. Die Vereinsgeschichte zeigt vielmehr, dass der BSV sich immer wieder verändert hat – nach Kriegen und Krisen, bei gesellschaftlichen Veränderungen und angesichts neuer Anforderungen. Gerade diese Fähigkeit zur Erneuerung hat dazu beigetragen, dass aus der Cloppenburger Schützengilde von1585 ein Verein werden konnte, der bis heute fest zum gesellschaftlichen Leben der Stadt gehört.

Text: Carolin Tegeler

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